Freischnorcheln : Roman

Medusa, Mieze, 2012
Verfügbar Ja (1) Titel ist in dieser Bibliothek verfügbar
Exemplare gesamt 1
Exemplare verliehen 0
Reservierungen 0Reservieren
Medienart Buch
ISBN 978-3-85286-167-8
Verfasser Medusa, Mieze Wikipedia
Verfasser Mitterbacher, Doris Wikipedia
Beteiligte Personen Zeiner, Miriel [Ill.] Wikipedia
Systematik DR - Romane, Erzählungen und Novellen
Verlag Milena
Ort Wien
Jahr 2012
Umfang 162 S.
Altersbeschränkung keine
Auflage 2. Aufl.
Sprache deutsch
Verfasserangabe Mieze Medusa
Illustrationsang Ill.
Annotation Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html);
Autor: Barbara Rieder;
Ungeplanter Selbstverwirklichungstrip einer von Existenzängsten geplagten Jung-Grafikerin. (DR)

Doris Mitterbacher, in der Musik und Poetryslam-Szene besser bekannt als "Mieze Medusa", legt mit "Freischnorcheln" ihren ersten Roman vor. Nora Klein, die Ich-Erzählerin, knapp 30, freie Grafikerin, wurschtelt sich mehr recht als schlecht durch den Wiener Arbeitsdschungel. Aufträge sind Mangelware - Magenknurren die Folge. Hin und wieder arbeitet Nora ein bisschen - die Auftraggeber sind jedoch zumeist windige Typen, die entweder nur schleppend zahlen oder an Noras Wäsche wollen. Wie z.B. der smarte Geschäftsmann Frank, der Nora erst Versprechungen macht, sie dann aber im Regen stehen lässt. Nora treibt wie ein Blättchen im Wind - ein bisschen Revolution, ein bisschen doch brave Tochter, experimentierfreudig, wenn es um die Liebe zu Männlein und Weiblein geht, überraschend bieder, wenn es sich ums Styling für das Bewerbungsgespräch oder vermeintliche Besuche einer Minderjährigen im Zimmer des WG-Mitbewohners handelt. Mehr aus Langeweile denn aus Absicht raubt Nora den guten Frank nach dem mehr als mühsamen Liebesakt aus und dampft mit seinen Ersparnissen nach Portugal ab. Und hier seltsamerweise passiert es: Aus Nora, der seltsam weltentrückten Frau mit Orientierungsschwierigkeiten, schlüpft eine neue, geerdete Nora, die als Draufgabe sogar noch einen schnuckeligen deutschen Surflehrer abbekommt. Seufz.
Der Klappentext verspricht Sexspiele der härteren Gangart - der Inhalt gibt sich um Lichtjahre zahmer. Die Lektüre lässt den Schluss zu, dass Nora ein Vollweib mit schrägem Look ist - obwohl die Illustrationen verwirrenderweise ein androgynes Mannequin mit Idealmaßen zeigen. Eine tapfere Heldin, die trotz aller gesellschaftlichen Widrigkeiten einen Zipfel vom Glück abkriegt. Flotte, flapsige Wortspiele garantieren eine fröhliche Urlaubslektüre.

----
Quelle: Pool Feuilleton;
Das ist ein tolles Lebensprogramm: abtauchen und knapp unter der Wasseroberfläche in die Freiheit schnorcheln!
Nora lebt knapp an der Oberfläche zur Geschäftswelt. Mit kleinen graphischen Aufträgen hält sie sich gerade noch über Wasser, aber an manchen Tagen reicht das Geld hinten und vorne nicht, und die Wellen schwappen über ihrem Kopf zusammen. So ist es kein Wunder, dass sie sich als Donauweibchen fühlt, mit aller Lebenskraft des Wassers ausgestattet.
Die üblichen Überlebensrituale sind anstrengend und gehen oft ungünstig aus. Ich schwitze öffentlich, heißt es lapidar, als ein Vorstellungsgespräch mehr über die Schweißdrüsen abgewickelt wird als über intellektuelle Kompetenzen. Bei einem Empfang taucht eine Doppelgängerin auf, zumindest was die Kleidung betrifft.
Nora zieht sich immer wieder in sich zusammen und horcht auf das Karma, das verlässlich die wichtigsten Schritte auf der To-do-Liste ausspricht. Zum einen gibt es eine leise Freundschaft mit Seb, aber für den vollen Namen Sebastian reicht es nicht. Zum anderen bahnt sich ein im Internet geplantes Date mit Frank an, das vielleicht das Leben verändern könnte.
Nora geht die Sexualität meist über die Oberfläche an, da genügt zwischendurch die Berührung der Brust einer Kollegin oder ein kurzer Besuch im Zimmer eines Kollegen. Vielleicht genügt es, jemanden einfach schlafen zu sehen.
Mit einem fulminanten Fesselspiel freilich kommt die Erotik dorthin, wo sie zu Hause ist, in der schmerzhaften Fesselung und im Geschäft. "Die primären Geschlechtsorgane flutschen, die sekundären sind versteift und aufgerichtet." (108)
Nora fesselt abschließend ihren Date-Mann und macht ihn erotisch unwillig, zu guter Letzt klaut sie ihm alles Geld, das sie finden kann, und verschwindet nach Portugal.
Hier, am Ende der Welt, schnorchelt sich die Heldin frei, die Touristen sind schon verschwunden, die Wellen schlagen über dem Karma zusammen.
"Das Ende der Welt ist, was ich will." (121)
Mieze Medusa erzählt frech und flott und schickt ihre Heldin volles Rohr in einen ungewissen Alltag. Die Heldin kämpft sich tapfer durch die amorphe Arbeitswelt, greift augenzwinkernd auf das eigene Karma zurück und schnorchelt sich tatsächlich frei. "Mein Alltag ist um eine Routine reicher." (143) heißt es gegen Ende des Buches. Der Roman gleicht am ehesten einem anarchistischen Schelminnen-Roman, die blöde Wirklichkeit lässt sich besiegen, wenn man untertaucht und die Fakten achselzuckend auf nasser Haut abgleiten lässt.
Helmuth Schönauer

Leserbewertungen

Es liegen noch keine Bewertungen vor. Seien Sie der Erste, der eine Bewertung abgibt.
Eine Bewertung zu diesem Titel abgeben